Der Druck auf die US-Staatsfinanzen wächst: Die Staatsverschuldung hat die Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten und fast ein Fünftel der gesamten Staatseinnahmen muss laufend für Zinszahlungen aufgewendet werden. Bis 2036 dürfte die Schuldenquote auf 120 Prozent des BIP ansteigen. Welche Implikationen sich daraus für die Rolle des US-Dollars und das globale Finanzsystem ergeben, untersucht das FERI Cognitive Finance Institute in einer aktuellen Analyse.
„Die ungebremst steigende Staatsverschuldung schränkt den wirtschafts- und finanzpolitischen Spielraum der Vereinigten Staaten massiv ein“, sagt Dr. Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des FERI Cognitive Finance Institute. „Schon jetzt unterliegen die USA einem Regime fiskalischer Dominanz. Die US-Notenbank verliert an Unabhängigkeit, denn sie muss vor jedem Zinsschritt die Folgen für die Staatsfinanzen mitdenken.“ Je stärker die Geldpolitik von fiskalischen Zwängen geprägt werde, desto größer seien Rapp zufolge die Risiken für professionelle Investoren weltweit. Jüngste Interventionen von Finanzminister Scott Bessent an den US-Staatsanleihemärkten zeigten bereits eine klare Tendenz zu manipulativen Markteingriffen.
Zudem steige die Bereitschaft der US-Regierung, drückende Probleme und Zinslasten einfach per Gesetz an Dritte auszulagern. Besonders brisant seien regierungsnahe Konzepte wie der sogenannte „Mar-a-Lago-Accord“. Dieser sieht aggressive US-Dollar-Abwertungen, Zwangsabgaben auf ausländische Kapitalanlagen und den erzwungenen Umtausch von US-Staatsanleihen in 100-jährige „Century Bonds“ mit minimaler Verzinsung vor. „Damit würde die fiskalische Zwangslage der USA, entstanden aus eigener Leichtfertigkeit, gezielt auf ausländische Anleger abgewälzt“, betont Rapp. „Derartige Konzepte wären ein klarer Bruch mit Grundregeln internationaler Kapitalmärkte – all dies signalisiert einen scharfen Paradigmenwechsel in den USA.“
Daneben verweist die Analyse auf tiefgreifende geopolitische und technologische Veränderungen. Aufgrund der aggressiven US-Sanktionspolitik („Weaponisation“) reduzieren viele Staaten ihre Abhängigkeit vom US-Dollar. So hat China als ehemaliger Großinvestor seine Bestände an US-Staatsanleihen in den vergangenen Jahren mehr als halbiert. „Auch der Anteil des US-Dollars an den globalen Zentralbankreserven, einschließlich Gold, liegt aktuell nur noch bei 40 Prozent“, mahnt Rapp. Während dieser Trend die US-Währung tendenziell schwächt, könnten neue digitale Finanzinstrumente die Position des Dollars stärken: „Stablecoins haben heute eine Marktkapitalisierung von rund 300 Mrd. US-Dollar und entwickeln sich schnell zu einer wichtigen Brücke zwischen dem traditionellen Finanzsystem und der digitalen Ökonomie“, verdeutlicht Rapp. Stablecoins halten überwiegend Reserven in kurzlaufenden US-Schuldpapieren und sorgen damit für zusätzliche Nachfrage nach US-Dollar-Anlagen. „Das könnte die globale Reichweite des US-Dollars verbreitern und dem Rückzug vieler Investoren aus dem US-Finanzsystem partiell entgegenwirken“, erklärt Rapp.
Hier liegt nach Einschätzung von Rapp ein paradoxes Spannungsfeld: „Auf der einen Seite schwächen die Schuldenprobleme der USA und geopolitische Bruchlinien die Vormachtstellung der US-Währung, auf der anderen Seite können technologische Innovationen aber die Stellung des Dollars perspektivisch stützen.“ Dennoch zeichne sich ein klarer Transformationsprozess ab. „Ausgehend von den USA verliert die bestehende Finanzordnung erkennbar an Stabilität. Die Spannungen innerhalb des US-Finanzsystems, zunehmende geopolitische Brüche und der technologische Wandel werden dabei eine zentrale Rolle spielen.“ Mit Blick auf die USA sei künftig ein Umfeld gezielter finanzieller Repression zu erwarten, das für globale Investoren völlig neue Herausforderungen mit sich bringe. Für professionelle Investoren sei entscheidend, die neuen Unterströmungen im globalen Finanzsystem frühzeitig zu erkennen und sich entsprechend zu positionieren.
Der neue Cognitive Comment „Das Dollar-Dilemma: Schuldenfalle, Finanzrepression und digitales Geld – Powerplay um die Zukunft des US-Finanzsystems“ steht zum Download auf dieser Seite zur Verfügung.
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